Freitag, 10. Juni 2016
Reims 6. Juni - 10.Juni 2016
Von Rocroy aus ging es um 6:40 h mit dem Bus nach Charleville, dort mit dem Zug weiter, dachte ich. Aber auf Grund von Bauarbeiten wird die Strecke nach Reims gutteils von Bussen bedient. Das brachte mir eine Wartezeit von ungefähr zwei Stunden. Beinahe hätte ich den Bus nicht erwischt! Der Schaltermensch hatte mir zwar die Sache mit dem Schienenersatzverkehr erklärt, aber nicht, dass der Bus nicht unmittelbar auf dem Bahnhofsvorplatz abfährt sondern auf der gegenüberliegenden Seite, links rüber. Hätte nachfragen sollen, ist aber gutgegangen.
In Reims musste ich erstmal durch den ganzen, allerdings nicht zu großen Bahnhof um an die Information zu gelangen. Als ich vom Händewaschen zurueckkam war der Schalter geschlossen: bitte wenden Sie sich an die Bahnauskunft! Ok! Der junge Franzose sagte auf meine Frage nach dem Weg zur Kathedrale, "tut droite" also immer geradeaus😊 Direkt neben dem Gare entdeckte ich die Stadt/-Touristeninfo, die Dame war so mit ihrem Telefonat beschäftigt, dass ich mir einen Stadtplan abriss, darauf die Kathdrale fand und mich mit dem Plan in der Hand an den Tramschienen orientierend auf den Weg machte. So gelangte ich einfach zur Kathedrale Notre Dame von Reims! Kurz nach zwölf. Von einer Dame vom Wachpersonal erfuhr ich dass der accueil de pelerin um 14 h sei.
Am 6.6.2016 lernte ich, dass accueil de pelerin im Grunde Pilgerempfang meint und nicht hier gibt es auch direkt eine Herberge, allerdings wird dem Pilger geholfen Unterkunft zu finden.
Da ich massig Zeit hatte, mein Knie schon wieder laut
protestierte lief ich nur ein wenig vor dem Haupteingang der Kathedrale herum um mich dann auf einer Terrasse niederzulassen und einen Salat zu Mittag zu essen.
César-Salat: paniertes Hühnchenschnitzel in grobe Stücke geschnitten, Crutons (aus der Tüte?), große Salatstücke, gehobelter Käse, Joghurtsosse (jedenfalls hell) und dunkles Balsamico als "Dekor" - für mich völlig überflüssige Dekoration! Finde daran einfach keinen gefallen. Dazu zwei Brötchen. Der Liter Sprudelwasser war alleine 4,80€. Zum Nachtisch hatte ich einen großen Cafe au lait. - Sobald ich raushabe wie ich Photos hochlade reiche ich das nach! Das Lokal hat eine Superlage und doch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren dass ich auf Systemgastronomie getroffen bin. Da wäre mehr drin!
Danach war es fast Zeit für das accueil - oh, was seh ich da? Ein Eiswagen, noch schnell ne Kugel Zutroneneis gekauft. Dabei lerne ich: hier werden sowohl gelbe als auch grüne Zitronen, getrennt nach Sorte für die Eisproduktion verwendet. Mit feinen Schalenstückchen im Eis.
Jetzt zum accueil. Im hinteren Teil der Kathedrale steht ein längerer Tisch zu dem mich dieselbe Sicherheitsdame führt. Die Frau vom accueil taucht kurz danach auf. Sie holt noch ihre Sachen heran, Pimgerregister, Stempel, Informationsmaterial etc.
Denke übrigens immer noch: hier geht's zur Pilgerherberge;-) Also schildere ich der Dame in aller Ruhe, der sie mit Geduld und Hilfsbereitschaft entgegenkommt mein körperliches Problem. Meinerseits geringe französischkenntnisse, ihrerseits französisch und französisch. Zwei Holländerinnen, auf dem Weg nach Rom, eine versteht etwas deutsch und spricht französisch, versucht zu übersetzen. Die Dame ist so im helfen-wollen ( Klinik und wo sie ist und ..und..) , die Holländerinnen wollen nur wissen, wo sie ihre Unterkunft finden; also sage ich, dass ich erstmal meinen Rucksack loswerden will bevor ich eher morgen als heute zum Arzt gehe. ( Ostheopath scheint terminlich schwieriger zu sein als "Notdienst" einer Klinik )
So werde ich an das CIS - Centre International de ejour - verwiesen. Der Anruf geht leider nicht durch, aber es ist früh und laut einer anderen Pilgerin das CIS groß. Bekomme auch auf der Karte gezeigt wo ich hin muss.
Natürlich (?) ist Platz im CIS. Nachdem ich hartnäckig nach einem möglichst niedrigen Preis gefragt hatte würde ich in ein Mehrbettzimmer eingecheckt. Zwei am Empfang, Sie & Er. Ich hatte schon meine Schlüsselkarte als Sie auf einmal sagte: " geben Sie mir nochmal die Karte, da ist was nicht richtig" (war wohl so ungefähr gemeint:-) )
Also bekam ich eine andere Zimmernummer und - karte. Ein Bett, ein Klappbett, ein Tisch, ein Stuhl, ein offener Schrank, Dusche und Waschbecken. Alles meins! Toilette über den Flur. So lieb können Menschen sein! Da hatte ich von zwei Nächten gesprochen, die ich im CIS schlafen wollte.
Noch am selben Abend ging ich zu einem Notdienst in einer nahegelegenen Klinik - Coulancy - dort wurde ich untersucht, sowohl Knie als auch Fußgelenk geröngt. Dann wurde mir gesagt, dass der Knochen heil sei und das Hauptproblem, wie von mir vermutet, im Knöchel liege. Der Arzt verschrieb mir eine Orthese für drei Wochen, dazu ein paar Krücken für zehn Tage, Voltarengel und Schmerztabletten. Die Nachtapotheke war relativ weit entfernt, ich hatte keine Lust 14 min auf die Tram zu warten und bin gelaufen. Leider war diese geschlossen, und ich lief zum CIS zurueck. So konnte ich alles erst am nächsten Morgen in einer viel naeher gelegenen Apotheke erwerben. Die Apothekerin machte mich darauf aufmerksam, dass ich unter der Orthese Struempfe tragen muesse und am besten feste Schuhe, ich war mit Badeschlappen da, weil ich keine Ahnunjg hatte, ob die Orthese in einen meiner Schuhe passen wuerde. Da ich klarmachen konnte dass ich zum ersten Mal in mienem Leben Kruecken benutzen muesse war die Apothekerin so lieb mir den Umgang damit zu demonstrieren. Mit den Kruecken bin ich echt lamgsam. Vom CIS zur Apotheke, dort das Rezept einloesen und zurueck zum CIS hat mehr als eine Stunde gedauert. Die Apotheke war nicht voll. Alles was mit gehen verbunden ist braucht nun circa doppelt soviel Zeit. So naehere ich mich der Langsamkeit, werde entschleunigt!
Insgesamt blieb ich vier Nächte im CIS und habe mit Frühstück etwas mehr als 66€ bezahlt.

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Samstag, 28. Mai 2016
Endlich mein Blog ;-)
Hallo meine Lieben:
Dank Marina und Paul kann ich heute in Ruhe den ersten Text schreiben.
Am 16. Mai hat mein Jakobsweg begonnen. Mit dem Zug nach Bocholt, vom Bahnhof ging es zu meinem Startpunkt: Bluecherstr.116. Von dort lief ich zu Uschy und Johannes meiner ersten schlafgelegenheit.
Was ich alles zwischen dem 16. und heute erlebt habe reiche ich euch nach.

Gestern, 27.Mai verliess ich gegen 9 die Jugendherberge in Tongeren, Belgien, hatte keine verlaesslichen Informationen wie ich weiterkomme - ausser einer Fahrradkarte die bis Sint-Truiden geht (Richtung Héliche, wo es einen Jakobswegstartpunkt gibt, der mich an Bruessel vorbeigefuehrt haette...)

Die Turisteninformation hatte leider keine hilfreichen Informationen. Der Herr war so liebenswuerdig mit seiner Kollegin in Sint-Truiden zu telefonieren um mir Wegbeschreibungen oder Fahrplaene nach Héliche zugaenglich zu machen.

Kurz nach der Information kam ich an eine geoeffnete Kirchentuere, Basilisqe von Tongeren, trat ein und wurde von Paul auf meine Fusspilgerfahrt angesprochen. Er gab mir den Stempel fuer meinen Pilgerausweis und sagte dass ich besser von Tongeren aus Richtung Namur gehen solle. Er bot mir an mir seinen Pilgerfuehrer VIA LIMBURGICA zu geben. Gesagt, getan. So entschied ich lieber mit Pilgerfuehrer auf gekennzeichneten Wegen unterwegs zu sein statt auf gut Glueck herumzulaufen.
Paul zeigte mir noch den Einstieg am Fluesschen Jeker / Geer (frz.) / Djér (Waals), empfahl mir noch moeglichst weiter als Waremme zu laufen, da dort schwierig Unterkunft zu finden sei und darueber hinaus fuer die naechsten zwei Tage Regen angesagt sei.
So ging ich los, guter Dinge durch viel natuerliche Landschaft, wenn ich keine Markierungen mehr sah wusste ich durch das Buch wo ich war und weitergehen sollte. Einmal war ich einige hunert meter zu weit gelaufen, habe es gemerkt und bin zurueckgegangen. Nahe Waremme habe ich dann ein Wort im Buch (nederlands) nicht verstanden, gefragt, Auskunft bekommen und bin doch wohl einen Abzweig zu spaet nach links abgebogen. Jedenfalls war ich auf einem Feldweg, es schien zu daemmern, ein Gewitter kuendigte sich an. Der Feldweg wurde schmaler, tiefer und der seitliche Bewuchs hoeher, rechts Baeme, ich wurde schneller da ich ankommen wollte bevor der Regen oder das Gewitter mich erwischten. Endlich wieder eine Strasse (Strassenschild: Limburg), nicht fuer Fussgaenger geeignet. Da bin ich falsch? Oh, ja. Halte einen PKW an um zu fragen, bekomme freundlich Auskunft. Bin irgendwo hinter Waremme. Dachte Richtung Berloz zu gelangen, landete in Bettincourt und folgte auf dem Radweg der Strasse nach Waremme (2 km). Dort konnte ich keine Unterkunft finden, egal wen ich fragte, die Antworten gingen von da muessen sie nach Liege, ueber gibt hier kein Hotel/ Pension zu am Gare du Waremme gibt es ein Hotel. Auch da Fehlanzeige.
Paul hatte mir seine Karte gegeben, mein Glueck, also rief ich ihn an und bat um Hilfe.
Ich haette den Zug um 19:50 h nach Liege nehmen sollen und von da nach Tongeren fahren....Nur...
Der Zug nach Liege kam einfach nicht. Also hat Paul eine Abholung organisiert, ich durfte bei Marina und Paul im Gaestezimmer schlafen.
Mehr noch: die naechste Nacht darf ich ebenfalls hier schlafen ( die Bahn wird bestreikt....) und morgen frueh will Paul mich zu meinem Start bringen.

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